Peking: ein weinendes und ein lachendes Auge

Nach einem normalen, aber effektiven und ziemlich anstrengenden Arbeitstag, habe ich die vier wichtigsten und mir am meisten ans Herz gewachsenen Leute zu einem Abendessen eingeladen. Quasi als Dankeschön, für die viele Mühe, die die mit mir hatten. Es war ein recht lustiger Abend, an dem ich doch gemerkt habe, dass ich am Samstag auch mit einem weinenden Auge nach Hause fliegen werde. Die Menschen hier sind so freundlich und zuvorkommend und lieb zu mir, dass ich mir fast ein wenig blöd vorgekommen bin, sie nur mit einem Abendessen abzuspeisen.

Lisa, die mich fast jeden Tag morgens und Abends mit dem Auto zur Arbeit mitgenommen und Abends nach Hause gebracht hat. Edgar, der Dolmetscher, der mit einer Engelsgeduld auch meine noch so bescheuertste Frage beantwortet hat, mir die Kommunikation im Büro um Einiges erleichtert hat, und sich bei mir zusätzlich als ziemlich guter Tourguide fürs Sightseeing etabliert hat. Jiang, den ich als Drucker, Assistent und Mädchen für alles missbrauchen durfte, und letztendlich Mr. Liu, der schön brav meine ganzen Dokumente mehrmals korrigiert hat (sorry für die vielen Fehler im chinesischen Teil). Allen hab ich heute hoffentlich auf die Art danke sagen können und werde sie schon ein bischen vermissen.

Wir waren wieder in dem Restaurant essen, in dem ich mit Edgar schon war und wir den Hot Pot hatten. Diesen Kupferkessel mit heißem Wasser, in das man dann Fleisch und Gemüse und etliche andere Sachen tun kann. Einfach nur lecker, auch heute. Dazu gab es einen ganz leckeren Blumentee aus gelben Blüten. Boah war der gut. Und Edgar bestellte dann noch Bier. Ich hatte ein bischen das Gefühl, die wollten mich abfüllen.

Ganz überrascht war ich, als Mr. Liu auf einmal mit einem kleinen Kästchen vor mir stand und sagte, das sei für mich. Ein Geschenk, fragte ich. Er nickte und ich machte auf. Ich musste lachen. Darin waren zwei knubbelige Füße mit Spinnen drauf. Ich schaute etwas fragend in die Runde und dachte, die Dinger haben bestimmt eine symbolische Bedeutung, wie fast alles hier in China. Ich wurde schnell aufgeklärt: Die Füße mit den Spinnen daraf bedeuten, dass ich immer dann glücklich sein werde in meinem Leben, wenn ich zufrieden bin, und das überall wohin ich gehen werde. Da musste ich mir doch ein kleines Tränchen verdrücken, so gerührt war ich. Ich fands sehr süß von denen. Einer von den Füßen ist übrigens für meinen Boyfriend.

Somit geht einer meiner lezten Abende so langsam zu Ende. Ich werde mich jetzt noch ein wenig an die Arbeit machen, damit Edgar morgen wieder was zu tun hat. Und dann hoffe ich, dass ich Donnerstag und Freitag so effektiv wie möglich das Projekt beenden kann und am Freitag die Daten übergeben kann.

Nachtrag: Edgars Fotos von diesem Abend: